Besuch bei unseren Partner*innen in Kolumbien – Ein inspirierender Austausch
Autor: Ivan Murillo
Von 2023 bis 2025 hat das BEI gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, das Projekt „Imágenes de Latinoamérica“ koordiniert. Über 30 Personen aus rund 23 Organisationen aus 7 Ländern Lateinamerikas und der Karibik sowie aus 4 Regionen Schleswig-Holsteins nahmen daran teil. Dabei entstanden bemerkenswerte Austausche und bereichernde Partnerschaften.
Im Januar 2026 besuchte ich unsere Partner*innen in Kolumbien um mehr über ihre aktuellen Aktivitäten zu erfahren und Perspektivengespräche zu führen.
Bogotá – Pulsierende Metropole und Erinnerung
Meine Reise begann in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. Diese Stadt mit etwa 9 Millionen Einwohnern ist ein sinnliches Erlebnis: bunt, musikalisch, lebendig und manchmal laut. Beim Erkunden kamen viele Erinnerungen hoch – an das Leben und Wachsen dort, an die Freundlichkeit der Menschen und an das schnelle Tempo dieser Metropole. Besonders interessant ist das Klima: In einem einzigen Tag können die Temperaturen von unter 10 Grad auf über 20 Grad steigen. Kolumbien kennt keine Jahreszeiten wie Europa, sondern nur Regen- und Trockenzeiten.
El Cabildo Pijao Mesas de Inca – Schutz der indigenen Rechte
Meine nächste Station war der Cabildo Pijao Mesas de Inca im Municipio Coyaima im Departamento Tolima, etwa fünf Stunden von Bogotá entfernt. Die Region liegt im Tal des Río Magdalena nahe der Tatacoa-Wüste, weshalb die Temperaturen hier zwischen 25 und 36 Grad schwanken.
Dort traf ich Luis, den indigenen Gouverneur, und weitere Mitglieder des Cabildos. Sie berichteten begeistert von ihrem Erfolg: Der Rückzug eines kanadischen Ölunternehmens, das Fracking auf ihrem Territorium plante. Aufgrund der anspruchsvollen Anforderungen der vorherigen Konsultation war das Projekt weder ökologisch, sozial noch kulturell tragbar. Über 26 indigene Gemeinschaften wären betroffen gewesen. Nach vier Jahren aktivistischen Kampfes und einer starken, gemeinschaftlichen Konsultation konnte dieses Ziel erreicht werden.
Dieser Erfolg wurde durch vielfältige lokale und internationale Allianzen möglich. 2023 reiste eine Delegation nach Schleswig-Holstein, um Aufmerksamkeit für die Situation zu schaffen und Partnerschaften zu stärken. Seit 2017 gibt es regelmäßigen Austausch zwischen der Gemeinschaft und Schleswig-Holstein. Neben dieser wichtigen Nachricht besuchte ich weitere Projekte des Cabildos, darunter den Bau eines Flusshafens für Fracht und Tourismus, die Asphaltierung einer Zufahrtsstraße und die Wiederherstellung von Wasserquellen.
Casa Arte Ser in Sasaima – Kunst, Psychologie und Resilienz
Weiter ging es nach Sasaima, etwa zwei Stunden von Bogotá entfernt in einer bergigen Region. Dort besuchte ich Casa Arte Ser, ein Zentrum für menschliche Entwicklung und psychische Gesundheit, das Kunst, holistische Psychologie und Neurowissenschaften verbindet.
Liz, Carolina und ihre tierischen Begleiter empfingen mich herzlich. Casa Arte Ser war Teil von „Imágenes de Latinoamérica“ und entwickelte das Kartenspiel Soul Roots – ein therapeutisches Instrument zur inneren Entdeckungsreise und Stärkung der Resilienz. Das Zentrum arbeitet weiterhin an innovativen Strategien mit Partner aus Kolumbien, Niederlande und Deutschland zur Selbstkenntnis und unterstützt besonders marginalisierte Gruppen.
Mehr Infos: www.casaarteser.com
Jardín Utópico in Bogotá – Gemeinschaftsgarten und Waldrestaurierung
Zurück in Bogotá besuchte ich Francisco und Isaura, die seit 15 Jahren den Jardín Utópico (utopischer Garten) pflegen – einen Gemeinschaftsgarten im Park La Esmeralda. Dieses grüne Refugium fördert Umweltbewusstsein, Respekt vor der Natur, Bildung und den Zusammenhalt der Nachbarschaft.
Aus dem Gartenprojekt entstand auch der Bosque Utópico am Stadtrand, mit dem Ziel, Waldflächen wiederherzustellen und die Gemeinschaft zu stärken. Seit ihrer Teilnahme an „Imágenes de Latinoamérica“ arbeitet die Initiative mit Partnern aus Brasilien, Rendsburg und Mexiko zusammen, insbesondere in den Bereichen urbane Gartenarbeit und Bildung.
Mehr Infos: agriculturaurbana.org/el-jardin-utopico
Artikel in der taz: Nachbarschaftsgärten in Kolumbien
Fazit
Diese drei Partnerorganisaitionen, die ich in Kolumbien besuchte, sind weiterhin eng mit Partnern in Deutschland, Schleswig-Holstein und anderen Teilnehmern von „Images of Lateinamerika“ vernetzt. Sie zeigen eindrucksvoll, wie lokale Initiativen durch gemeinschaftliches Engagement und internationale Zusammenarbeit wachsen und ihre Wirkung entfalten können.
Der Besuch war eine große Inspiration: Er beweist, dass der Aufbau einer starken Zivilgesellschaft keine Grenzen kennt und wir voneinander auf Augenhöhe lernen können.
Mehr zum Projekt:

