Energiedominanz und energiesouveranität. Insigts von der Diskussion bei Berlin Global Forum 2026

Autor: Ivan Murillo

Die globale Energiewende ist längst mehr als eine technische Frage. Sie entscheidet darüber, wie souverän Staaten künftig handeln können, wie gerecht internationale Beziehungen gestaltet werden und welche Rolle die Zivilgesellschaft in einer demokratischen Transformation spielt. Die Diskussionen der internationalen Global Forum zu Energiesouveränität und globaler Kooperation in Berlin haben deutlich gefragt:  Wo powerst he future? Konzerne, Regierungen, der Globalen Nord, den globalen Süd oder Die Zukunft wird nicht allein von Regierungen oder Konzernen gestaltet – sondern von engagierten Menschen, sozialen Bewegungen und internationalen Partnerschaften. Gerade Schleswig-Holstein kann hierbei eine besondere Rolle einnehmen.

 

Energie als geopolitische Frage

Die aktuellen globalen Konflikte zeigen, wie stark Energiepolitik mit Sicherheitspolitik verbunden ist. Fossile Energieträger sind nicht nur klimapolitisch problematisch, sondern auch geopolitische Machtinstrumente. Die Diskussionen in Berlin machten deutlich: Energie kann zur Waffe werden. Gleichzeitig beschleunigen Krisen den Umstieg auf erneuerbare Energien.
Erneuerbare Energien verändern internationale Abhängigkeiten. Während fossile Rohstoffe begrenzt und häufig mit autoritären Machtstrukturen verbunden sind, eröffnen Wind- und Solarenergie neue Chancen für demokratische und dezentrale Entwicklung. Die Kosten für erneuerbare Energien sinken weltweit deutlich, während fossile Energieträger wirtschaftlich zunehmend unter Druck geraten.


Für Schleswig-Holstein ist diese Entwicklung besonders relevant. Das Land gehört zu den Vorreitern der Windenergie in Deutschland. Zwischen Nordsee, Ostsee und ländlichen Regionen entstehen neue Möglichkeiten für regionale Wertschöpfung, kommunale Energieversorgung und gesellschaftliche Teilhabe. Energiesouveränität bedeutet hier nicht Abschottung, sondern demokratische Kontrolle über die eigene Zukunft.

Bogotá am Abend.

Globale Gerechtigkeit als Voraussetzung der Transformation

Die Energiewende darf jedoch nicht nur aus europäischer Perspektive betrachtet werden. Vertreterinnen und Vertreter aus Lateinamerika erinnerten in Berlin daran, dass globale Ungleichheiten weiterhin prägend sind. Während Europa und Nordamerika über Jahrzehnte von fossilem Wachstum profitiert haben, tragen Länder des globalen Südens oft die sozialen und ökologischen Kosten.


Besonders eindrücklich war die Diskussion über Chiles Lithiumstrategie. Dort wird versucht, den Abbau wichtiger Rohstoffe mit den Rechten indigener Gemeinschaften und dem Schutz empfindlicher Ökosysteme zu verbinden. Diese Debatten zeigen: Eine gerechte Energiewende braucht Beteiligung, Transparenz und internationale Verantwortung.
Auch Deutschland steht vor neuen Abhängigkeiten – etwa gegenüber China im Bereich wichtiger Technologien. Deshalb gewinnen neue Formen der Kooperation an Bedeutung: Süd-Süd-Kooperationen, Dreieckskooperationen und Partnerschaften auf Augenhöhe.


Hier können Organisationen wie das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein wichtige Brücken bauen. Globale Partnerschaften entstehen nicht allein durch Staaten, sondern durch Kommunen, Vereine, Bildungsarbeit und zivilgesellschaftliche Netzwerke. Entwicklungszusammenarbeit bedeutet heute zunehmend gegenseitiges Lernen.

Das Gebiet der Pijao Gruppe in Mesas de Inca

Die Rolle der Zivilgesellschaft

Besonders bemerkenswert war eine zentrale Erkenntnis der Konferenz: Die Zukunft wird nicht von Donald Trump oder China allein gestaltet, sondern von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Aktivistinnen und Aktivisten, Müttern, indigenen Gemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und der Zivilgesellschaft insgesamt.


Diese Aussage ist gerade für Schleswig-Holstein von Bedeutung. Viele Initiativen im Land engagieren sich bereits für Klimagerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und globale Solidarität. Ob in der Bildungsarbeit, in Städtepartnerschaften, in der Flüchtlingshilfe oder in lokalen Klimainitiativen – überall entstehen demokratische Räume, die globale Verantwortung konkret machen.


Die Zivilgesellschaft kann dabei eine wichtige Gegenkraft zu Polarisierung und autoritären Tendenzen bilden. Denn die ökologische Transformation wird nur gelingen, wenn sie sozial gerecht organisiert wird und Menschen aktiv beteiligt werden.

Interview mit Liz, Psychologin von Casa Arte Ser

Schleswig-Holstein als Labor für globale Verantwortung

Schleswig-Holstein besitzt gute Voraussetzungen, um Modellregion für eine gerechte Energiewende zu sein. Die starke Stellung erneuerbarer Energien, die Nähe zu Skandinavien, die maritime Wirtschaft und die vielfältige Zivilgesellschaft bieten große Chancen.


Doch technologische Innovation allein reicht nicht aus. Entscheidend wird sein, ob die Transformation demokratisch gestaltet wird. Wer profitiert von neuen Energien? Wie werden Kommunen beteiligt? Welche internationalen Partnerschaften entstehen? Und wie gelingt globale Solidarität in einer Zeit wachsender geopolitischer Spannungen?
Gerade deshalb braucht es Organisationen, Bildungsarbeit und Räume für Dialog. Das Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein und viele andere zivilgesellschaftliche Akteure können dazu beitragen, globale Perspektiven sichtbar zu machen und die Energiewende mit Fragen sozialer Gerechtigkeit zu verbinden.


Die Energiewende ist nicht nur ein Infrastrukturprojekt. Sie ist ein demokratisches Projekt. Und sie beginnt vor Ort – auch in Schleswig-Holstein.

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