Wie können die BUNA-Handlungsempfehlungen erfolgreich für die nachhaltige Vereinsentwicklung in Schleswig-Holstein genutzt werden?
Autoren: Jochen Bauer und Konstantin Gurkasch
Die BUNA-Handlungsempfehlungen der LAG21 NRW (Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V.) bieten einen strukturierten und praxisnahen Orientierungsrahmen, um Nachhaltigkeit systematisch im Sport zu verankern. Die BUNA-Handlungsempfehlungen basieren auf Forschungsergebnissen des Projektes "Breitensport, Umwelt und Nachhaltigkeit" (BUNA).
Schleswig-Holstein bietet aufgrund seiner dezentralen Vereinsstrukturen, der kommunalen Verwurzelung vieler Aktivitäten und der hohen Ehrenamtsdichte ideale Voraussetzungen, um globale Nachhaltigkeitsthemen über den Sport niedrigschwellig zu vermitteln und praktisch umzusetzen.
Die acht Themenfelder der BUNA-Empfehlungen – von Mobilität über Konsum bis zu Biodiversität – lassen sich ausgesprochen gut auf den regionalen Kontext übertragen. Bei der Nutzung von Sportstätten und der Organisation von Veranstaltungen können ressourcenschonende Konzepte direkt angewendet werden, etwa durch nachhaltige Sportturniere, eine optimierte Nutzung von Hallen oder u.a. die Zusammenarbeit mit regionalen Bäckereien und Caterer*innen.
Themenfeld Mobilität
Insbesondere im Bereich Mobilität zeigt sich die Stärke Schleswig-Holsteins: Lokale Veranstaltungsorte ermöglichen es Teams, Fahrgemeinschaften, den ÖPNV oder das Fahrrad unkompliziert zu nutzen. Auch bei Workshops und Trainingsangeboten spielt die räumliche Nähe eine große Rolle für die nachhaltige Anreise.
Themenfeld Konsum und Material
Ein wichtiges Themenfeld ist Konsum und Material. Die BUNA-Handlungsempfehlungen betonen, wie vielfältig Konsum im Sport ist – von Trikots über Sportgeräte bis hin zur Verpflegung bei Veranstaltungen. Gleichzeitig wird deutlich, dass gerade im Bereich fairer und nachhaltiger Sportbekleidung in vielen Vereinen großes Potenzial besteht.
Diese Erkenntnis kann in Schleswig-Holstein gut aufgegriffen werden: Mit der Einführung von fairen Sportbällen und dem Angebot von Bildungs-Workshops können die globalen Lieferketten sowie die fairen Lebens- und Arbeitsbedingungen thematisiert werden. Upcycling-Angebote, Repair-Cafés oder Kleidertausch-Aktionen sind besonders beliebt und zeigen, dass nachhaltiger Konsum im Sport sowohl Kosten reduzieren als auch Bewusstsein schaffen kann.
Kreislaufwirtschaft für Vereine
Auch die Abfall- und Kreislaufwirtschaft ist für Vereine unmittelbar greifbar. Bei den Sport-Events kommen Mehrwegbecher, Pfandsysteme und Müllreduktionskonzepte erfolgreich zum Einsatz. Teams werden ermutigt, eigene Trinkflaschen mitzubringen, und Jugendliche entwickeln kreative Projekte wie das Upcycling von Sportausstattung.
Ein ähnliches Bild ergibt sich im Bereich des Umwelt- und Klimaschutz: Bildungsworkshops stellen Verbindungen zwischen Sport, Klimafolgen und globaler Gerechtigkeit her und zeigen, wie sportliche Aktionen Klimabewusstsein fördern können.
Bildung und Qualifizierung
Ein starker Fokus liegt auf der Bildung und Qualifizierung: Multiplikator*innen-Workshops, Einführungs-Workshops zu den Themenfeldern und zielgruppenorientierte Bildungsmaterialien machen die BUNA-Inhalte für Vereine und Jugendliche zugänglich. Begleitet kann das mit einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit werden, die über Social Media, Blogbeiträge und Aktionstage Bewusstsein für Sport und Nachhaltigkeit schafft. Auch die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle – von der Veranstaltungsorganisation über digitale Kommunikation bis hin zu Online-Bildungsangeboten.
Biodiversität, soziale Teilhabe und Gesundheit
Weitere Themenfelder wie Biodiversität, soziale Teilhabe und Gesundheit können gut eingebettet werden. Einige Vereine starteten langfristige ökologische Projekte zur naturnahen Pflege ihrer Anlagen.
Die Turniere und Workshops ermöglichen soziale Teilhabe unabhängig von der Ressourcenlage der Vereine. Gleichzeitig fördern sie Bewegung, Fairness und mentale Gesundheit – Aspekte, die in den BUNA-Empfehlungen präsent sind.
„Globale Verantwortung lokal fördern“
Durch die strukturelle Wirksamkeit der BUNA-Hebel kann ein entscheidender Beitrag dazu geleistet werden, dass Maßnahmen keine Einzelaktionen bleiben. Gemeinsam mit Sportverbänden und Vereinen kann ein entwicklungspolitisches Leitmotiv erstellt werden: „Globale Verantwortung lokal fördern“. Dieses hilft, Nachhaltigkeit als Querschnittsthema in sämtlichen Formaten zu verankern.
Hier geht die Landeshauptstadt Kiel mit gutem Beispiel voran: Das Amt für Sportförderung Kiel, der Sportverband Kiel und Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. haben gemeinsam das Projekt „Nachhaltigkeit im Kieler Sportverein(t)“ mit einer AG Nachhaltigkeit ins Leben gerufen – mit dem Ziel, dass Kieler Sportvereine nachhaltiger werden. Die Etablierung der „AG Nachhaltigkeit“ in Kiel ist ein gutes Beispiel für gewachsene Verantwortlichkeiten und zeigt, wie Stakeholder einer Kommune sich zusammenschließen können, um gemeinsam möglichst optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, damit deren Sportvereine sich nachhaltig entwickeln können.
Wesentlich sind stabile Kooperationen und Partnerschaften, die entwicklungspolitische Strukturen vorantreiben. Kommunale Fördermöglichkeiten, Zusammenarbeit mit Schulen und Umweltorganisationen sowie offener Austausch zwischen Vereinen führen dazu, dass Ressourcen wie Zeit, Personal und Budget effizienter eingesetzt werden können.
Bereich Finanzen
Im Bereich Finanzierung profitieren Vereine davon, dass Nachhaltigkeitsmaßnahmen in kommunale Programme eingebettet werden, wodurch Kosten optimiert und Hürden verringert werden. Die Königsdisziplin ist in diesem Kontext die formale Aufnahme nachhaltiger Leitlinien in die Vereinsstrategien (u.a. in die Vereinssatzung). Auch hier liefert das BUNA-Konzept gute Anhaltspunkte und das BEI steht gerne beratend zur Seite.
Fazit
Schleswig-Holstein hat das Potenzial, dass der Sport ein wirkungsvoller Zugang zu globalen Zukunftsthemen ist – und dass die BUNA-Empfehlungen genau den orientierenden Rahmen bieten, der Vereinen und Verbänden hilft, diese Themen dauerhaft und strukturiert zu verankern.
Quellen:
BUNA-Handlungsempfehlungen, LAG21 NRW
https://www.lag21.de/files/default/pdf/Themen/buna-sport/handlungsempfehlungen-nachhaltigersport_buna_lag-21-nrw.pdf

