Unterwegs

Anders konsumieren

Alternativen in Lübeck entdecken

Text: Benjamin Hellwig

Im schleswig-holsteinischen Lübeck gibt es Orte, die positive Signale aussenden – ins direkte eigene Umfeld, in die Gesellschaft und zu Menschen in Ländern des globalen Südens. ZUKUNFT.GLOBAL stellt auf einem inspirierenden Stadtspaziergang fünf konsumkritische Alternativen vor, die so oder so ähnlich auch in vielen anderen urbanen Zentren bereitstehen und entdeckt werden können.

 

Wir verbrauchen 1,7 Erden pro Jahr. Im Jahr 2018 erreichte die Menschheit den Earth Overshoot Day bereits am 1. August. Das Datum markiert den Moment, an dem wir global betrachtet alle Ressourcen aufgebraucht haben, die sich in diesem Jahr wieder erneuern könnten. Für den Verbrauch in Deutschland berechnete die Organisation Global Footprint Network den Weltüberlastungstag gar auf den 2. Mai. Die Daten rücken seit Berechnungsbeginn im Jahr 1969 immer weiter nach vorn.

Billig statt nachhaltig und fair, neu kaufen statt reparieren, immer verfügbar haben, statt auch mal zu verzichten: Ein Großteil unseres eigenen Einkaufsverhaltens befeuert den Ressourcenverbrauch und damit auch soziale und ökologische Nachteile, sowohl bei uns zu Hause als auch an den weltweiten Anbau- und Produktionsorten. Die unmittelbaren Folgen dieses Konsums spüren in besonderem Maße die Menschen in Ländern des globalen Südens: Bedrohungen durch den Klimawandel, Umweltverschmutzungen an Produktionsstandorten oder die Belastungen durch Entsorgungen unseres Hightech-Abfalls in fernen Ländern.

Gleichzeitig kann jeder Mensch in seiner eigenen Stadt Wege gehen, die diesen Trends entgegenwirken und Gutes bewirken. Im schleswig-holsteinischen Lübeck gibt es Orte, die positive Signale aussenden – ins direkte eigene Umfeld, in die Gesellschaft und zu Menschen in Ländern des globalen Südens. ZUKUNFT.GLOBAL stellt auf einem inspirierenden Stadtspaziergang fünf konsumkritische Alternativen vor, die so oder so ähnlich auch in vielen anderen urbanen Zentren bereitstehen und entdeckt werden können.

 

Lose statt in Plastik – für weniger Verpackungsmüll

Das Geschäft von Unverpackt in der Fleischhauerstraße.
Foto: www.unverpackt-luebeck.de

Unverpackt Lübeck
Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren. Das Einkaufsgeschäft von Unverpackt bietet Produkte lose und ohne Einwegverpackungen an. Das Sortiment ist bunt gemischt und bietet nahezu alles, was auch in anderen Geschäften angeboten wird. Der Einkauf wird selbst in eigene mitgebrachte Mehrwegbehälter wie Einweckgläser oder andere Gläser mit Schraubverschluss abgefüllt und darin zu Hause aufbewahrt. Jeder Einkauf spart Müll und ermöglicht, über die Mengen selbst zu entscheiden.

 

 

 

 

 

Unverpackt Lübeck

Fleischhauerstraße 38
23552 Lübeck
www.unverpackt-luebeck.de
Weitere Unverpackt-Läden und Informationen zum Thema unter www.netzwerk-unverpackt.de

Fair und nachhaltig gehandelt – für gerechte Arbeitsbedingungen

Der Weltladen Lübeck in der Hüxstraße.
Foto: Fridtjof Stechmann

Weltladen Lübeck
Konventionell gehandelte Konsumgüter sind vielerorts Verursacher von ungerechten Arbeits- und Umweltbedingungen in Ländern des globalen Südens. Das Sortiment des Lübecker Weltladens umfasst fair gehandelte Lebensmittel wie Kaffee, Tee, Gewürze, Zucker, Süßwaren, Aufstriche, Knabbereien, Getreideprodukte oder Wein sowie Kunsthandwerk und Haushaltswaren. Er beschäftigt 35 ehrenamtlich tätige und zwei hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusammen mit dem Infozentrum Eine Welt bietet der Weltladen zudem Bildungsangebote zu Themen wie fairem Handel, Kinderrechte oder Textilien für alle Altersstufen sowie „Fairlaufen“, einen konsumkritischen Stadtrundgang.

 

Weltladen Lübeck

Hüxstraße 83-85
23552 Lübeck
www.weltlaeden.de/luebeck
Weitere Weltläden und Informationen zum Thema unter www.weltlaeden.de

Reparieren und weiter nutzen – für weniger Ressourcenverbrauch

Das RepairCafé Philippus in der Schlutuper Straße.
Foto: www.luebeck-repariert.de

RepairCafé Philippus
Der Verbrauch von Energie und Grundstoffen ist bei der Produktion neuer Geräte am höchsten. Im RepairCafé Philippus können Interessierte lernen, defekte Alltagsgegenstände zu reparieren, statt sie wegzuwerfen und mit etwas Neuem zu ersetzen. Die Initiatoren möchten dazu anregen, Waren mit einer anderen Sichtweise wahrzunehmen und diese auf neue Weise wertzuschätzen. Zu den Reparaturtreffen an jedem zweiten Samstag im Monat sind auch Interessierte eingeladen, die anderen bei der Reparatur helfen möchten. Die Reparatur basiert auf dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ und ist gratis. Sind Ersatzteile nötig, entstehen oft nur geringe Kosten. Bei der Beschaffung ist das Team behilflich.

 

RepairCafé Philippus

Schlutuper Straße 52
23566 Lübeck
www.luebeck-repariert.de
Weitere Unverpackt-Läden und Informationen zum Thema unter www.reparatur-initiativen.de

Kunst, Kultur, Handwerk und Handel: soziokulturell, vielfältig und alternativ

Das "Café Affenbrot" im Werkhof in der Kanalstraße.
Foto: www.cafeaffenbrot.de

Werkhof Lübeck e.V.
Die ehemalige Industriehalle an der Kanalstraße beherbergt seit 1988 mehrere selbstverwaltete Betriebe und Projekte und gilt als Zentrum für alternative Arbeits- und Lebensformen. Die Einrichtungen des Werkhofes sind rund um die Veranstaltungshalle mit Bühne und Tresen das „Rucksackhotel“, das vegetarische Restaurant „Cafe Affenbrot“, Naturkosmetik „Hautnah“, der Fachhandel „Naturbaustoffe“ für biologische Hausbaustoffe und Naturfarben sowie das Kulturbüro. Auf der Galerie befinden sich zurzeit die Druckerei „Satzpartner“ sowie „Stattauto“-CarSharing. Die Veranstaltungshalle für 400 Besucher wird neben Vermietungen, Konzerten und Kabarett auch für Podiumsdiskussionen, Erwachsenenbildung und Informationsveranstaltungen genutzt. Das Projekt schafft und sichert rund 30 Arbeitsplätze und zeigt modellhaft mögliche Zukunftsperspektiven für andere auf.

 

Werkhof Lübeck e.V.

Kanalstraße 70
23552 Lübeck
www.werkhof-luebeck.de

Bio-regional statt konventionell

In einem der Lübecker Landwege-Märkte
Foto: www.landwege.de

Landwege-Biomärkte
In der konventionellen Landwirtschaft sorgen Pestizide und weite Transportwege sowie synthetische und fossile Düngemittel für Belastungen bei Mensch, Tier und Umwelt. Die Produkte in den fünf Biomärkten von Landwege wie saisonales Obst und Gemüse, regionale Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte aus ökologischer Erzeugung, Bio-Backwaren oder Bio-Eier stammen überwiegend von 30 bio-zertifizierten Mitgliedshöfen aus der Lübecker Umgebung. Mit ihrem Einkauf stärken Kunden die regionale ökologische Landwirtschaft. Der Bio-Vollsortimenter setzt zudem bei seinen überregionalen Produkten auf das Fairtrade-Siegel. Landwege ist Mitinitiator der „Fairen Stadt Lübeck“. Zur Landwege-Familie gehören auch der Verein für Bildung für nachhaltige Entwicklung und ökologische Landwirtschaft sowie die Landwege-Umweltstiftung zur Förderung umweltpädagogischer Arbeit.

Bio-Markt am Brink

Am Brink 9
23564 Lübeck
www.landwege.de
Weitere Informationen zum Thema unter www.demeter.de und www.bioland.de

Zurück