Nachhaltige Geldanlagen – Ein Schritt in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft

Das Thema nachhaltige Geldanlagen gewinnt immer mehr an Bedeutung. Angesichts der globalen ökologischen und sozialen Herausforderungen ist es entscheidend, Investitionen nicht nur aus der Perspektive der finanziellen Rendite zu betrachten, sondern auch im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft. Nachhaltige Investitionen bieten eine Möglichkeit, Kapital so zu lenken, dass es sowohl den eigenen Interessen als auch denen des Planeten dient.

Was sind nachhaltige Geldanlagen?

Nachhaltige Geldanlagen, auch bekannt als „grüne“ oder „ethische“ Investitionen, basieren auf den sogenannten ESG-Kriterien:

E = Ecological (Ökologie): Unternehmen und Projekte, die sich für den Umweltschutz und gegen den Klimawandel engagieren.

S = Social (Soziales): Investitionen in soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen.

G = Governance (Unternehmensführung): Ethische und verantwortungsvolle Unternehmens- und Staatenführung, die Transparenz und Fairness betont.

Geschichte der ESG

Der Begriff „ESG“ wurde 2004 von den Vereinten Nationen geprägt, doch das Konzept verantwortungsvollen Investierens hat tiefere Wurzeln, die bis in die 1970er Jahre zurückreichen. Damals entstand das Konzept des sozial verantwortlichen Investierens (SRI), das Anleger*innen ermöglichte, ihre Portfolios an ihren ethischen Werten auszurichten. In den 1990er Jahren begannen ESG-Kriterien in gängige Anlagestrategien integriert zu werden. 2004 wurde ESG schließlich offiziell als Begriff etabliert und gewann im Laufe der Jahre zunehmend an Bedeutung, insbesondere nach der Einführung der Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) und später der nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der Vereinten Nationen1.

Ziel der ESG

Das Ziel dieser ESG Investitionen ist es, finanzielle Erträge mit positiven sozialen und ökologischen Effekten zu kombinieren. Kapital wird in Unternehmen und Projekte investiert, die umweltfreundlich wirtschaften, den sozialen Zusammenhalt fördern und ethische Geschäftspraktiken anwenden. Beispiele hierfür sind Investitionen in erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft oder Bildungseinrichtungen, die Menschenrechte respektieren und aktiv gegen Umweltzerstörung vorgehen. Die Investitionen sind seit der Einführung von ESG Fonds stetig gestiegen- mit Ausnahme eines Einbruchs während der Corona Krise. Der Europäische Markt ist hier der führende Markt für die Investition ins ESG und beherbergt 84% der Vermögenswerte2.

EU Taxonomie

Im Kontext der EU-Nachhaltigkeitsstrategie wurde die EU Taxonomie im Jahr 2022 verabschiedet, ein Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten. Anhand vorgegebener Kriterien haben Unternehmen aufzuzeigen, ob und wie „grün“ sie wirtschaften und investieren. Dazu werden die Umsatzerlöse, Investitionsausgaben und Betriebsausgaben von Unternehmen nach Nachhaltigkeitsgrad klassifiziert. Dies hat das Ziel, Finanzströme auf den europäischen Kapitalmärkten in nachhaltige Investitionen, also Unternehmen mit „grünen Wirtschaftstätigkeiten“, zu lenken3. Genau wie Investitionen in ESG-Fonds, sind Investitionen in „grünere“ Unternehmen weder für Privatpersonen, Unternehmen noch staatliche Akteure verpflichtend jedoch.

Warum sind nachhaltige Geldanlagen wichtig?

Die Finanzwelt steht an einem Wendepunkt. Angesichts der Klimakrise, des Verlusts an Biodiversität und der sozialen Ungleichheiten wird immer deutlicher, dass eine rein profitorientierte Geldanlage nicht ausreicht, um den globalen Herausforderungen gerecht zu werden. Der Fokus muss zunehmend auf nachhaltige Finanzierungen gerichtet werden, die sowohl den ökologischen als auch den sozialen Aspekten Rechnung tragen. Besonders in finanzschwächeren Ländern des globalen Südens sind Investitionen in nachhaltige Projekte jedoch oft mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Hohe Risiken, instabile Märkte und unzureichende politische Rahmenbedingungen erschweren solche Investitionen erheblich4. Diese Herausforderungen verdeutlichen die Notwendigkeit eines umfassenden Umdenkens in der Finanzwelt. Investor*innen müssen die Frage stellen, wie ihr Kapital nicht nur finanzielle Rendite bringen kann, sondern auch einen positiven Beitrag zur globalen Entwicklung leisten kann. Durch die gezielte Ausrichtung von Finanzströmen auf Projekte, die sowohl ökologische als auch soziale Mehrwerte schaffen, können Anleger*innen aktiv zur Verbesserung der globalen Lebensbedingungen beitragen.

Nachhaltige Finanzinstrumente und Politik

Nachhaltige Geldanlagen sind nur eines der vielfältigen Finanzierungsinstrumente, die global für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit eingesetzt werden. Der Begriff „Sustainable Finance“ umfasst eine breite Palette an Praktiken, Standards und Produkten, die ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele miteinander verbinden. Dabei spielen nicht nur nationale Regierungen eine Rolle, sondern auch internationale Finanzinstitutionen wie die Weltbank, der IWF und regionale Entwicklungsbanken sowie eine Vielzahl von Staaten, die gemeinsam an nachhaltigen Finanzstrategien arbeiten.

Financing for Development (FfD) bezeichnet den fortlaufenden Prozess, Finanzströme und politische Maßnahmen mit wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Prioritäten in Einklang zu bringen. Die UN-Generalversammlung verabschiedete 1997 die Agenda for Development, die zur Prüfung einer internationalen Konferenz über Entwicklungsfinanzierung aufrief. Dies führte zur ersten UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung 2002 in Monterrey, Mexiko, einem Meilenstein, der die weltweite Staatenlandschaft sowie internationale Finanzakteur*innen zusammenbrachte, um gemeinsame Strategien für eine nachhaltige Entwicklungsfinanzierung zu erarbeiten. Das daraus resultierende Monterrey-Konsens setzte sich das Ziel, Armut zu bekämpfen, wirtschaftliches Wachstum zu fördern und nachhaltige Entwicklung zu unterstützen5

Seitdem wird FfD kontinuierlich weiterentwickelt, unter anderem durch Folgekonferenzen wie die Doha-Konferenz 2008 und die dritte Konferenz 2015 in Addis Abeba, die mit der Addis Ababa Action Agenda einen politischen Rahmen für die Finanzierung der Agenda 2030 und der 17 SDGs schuf. Zudem tragen Institutionen wie das UN-Entwicklungsfinanzierungsforum, der Report über Entwicklungsfinanzierung und die Allianz Globale Investoren für nachhaltige Entwicklung zur Umsetzung dieser Ziele bei. Die vierte Konferenz findet vom 30. Juni bis 3. Juli 2025 in Sevilla, Spanien, statt, parallel dazu startete im Februar 2025 Verhandlungen über eine UN-Rahmenkonvention zur internationalen Steuerkooperation6.

Die Finanzierung nachhaltiger Entwicklung umfasst sowohl öffentliche als auch private Mittel, die innerhalb eines Landes erwirtschaftet oder durch internationale Zusammenarbeit bereitgestellt werden. Trotz einiger Fortschritte bleibt die Finanzierungslücke auch nach der Verabschiedung der Addis Abeba Agenda noch erheblich: Schätzungen zufolge benötigen Entwicklungsländer jährlich etwa 4 Billionen US-Dollar mehr an Investitionen, um die SDGs zu erreichen7. Dieser Betrag ist aufgrund der globalen Krise und geopolitischer Spannungen weitergewachsen. Zudem leiden viele Länder des Globalen Südens unter enormen Schuldenproblemen, die Investitionen in wichtige Bereiche wie Gesundheit und Bildung nahezu unmöglich machen8.

Daher ist ein wesentlicher Aspekt dieser nachhaltigen Finanzpolitik die Entschuldung von Ländern des Globalen Südens, da hochverschuldete Staaten sonst nur begrenzte Mittel für Investitionen in nachhaltige Projekte und Systemveränderungen, wie z.B. Klimaanpassungsmaßnahmen aufbringen können. Ergänzend dazu sind multilaterale Finanzierungsmechanismen wie der Green Climate Fund (GCF) von Bedeutung, da sie Länder unterstützen, den Klimawandel zu bekämpfen und nachhaltige Entwicklungsstrategien umzusetzen.

Der Weg zu einer gerechten und nachhaltigen Zukunft

Die Welt steht an einem Scheideweg. Die Finanzierungslücken für nachhaltige Entwicklung müssen dringend geschlossen werden, wenn die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 erreicht werden sollen. Der aktuelle Stand der globalen Schuldenkrise und die unzureichende Verfügbarkeit von Finanzmitteln machen es für viele Länder des Globalen Südens allerdings unmöglich, Fortschritte bei der Erreichung der SDGs zu erzielen. Die vierte FfD-Konferenz wird versuchen, einen universelleren Ansatz der Entwicklungsfinanzierung zu etablieren, der sowohl einkommensstarke als auch einkommensschwache Länder einbezieht und eine Reform internationaler Finanzinstitutionen fokussiert, um innovative Finanzierungsmechanismen umzusetzen und so nachhaltige globale Entwicklung langfristig sicherzustellen9. Diese Umgestaltung der globalen Finanzierungsstrategie und Umstrukturierung der globalen Finanzpolitik ist notwendig um den nötigen Investitionsschub in nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren und eine gerechte und umweltbewusste Weltwirtschaft zu fördern.

Nachhaltige Geldanlagen in Schleswig-Holstein

Im Dezember 2021 hat Schleswig-Holstein auf Vorschlag von Finanzministerin Monika Heinold a.D. Nachhaltigkeitskriterien für wesentliche Finanzanlagen gesetzlich geregelt. Anlagen ab einer Million Euro, die durch das Land oder durch Dritte im Auftrag des Landes verwaltet werden, unterliegen verbindlichen, gesetzlich geregelten Anlagegrundsätzen.

Unter anderem beinhalten diese die Anwendung von Ausschlusskriterien, d.h. es wird bspw. nicht in Staaten investiert, die die Todesstrafe praktizieren oder die aktuellen Klimaschutzprotokolle nicht ratifiziert haben sowie in Unternehmen, die in Geschäftsfeldern wie fossile Brennstoffe oder Atomenergie tätig sind. Zudem setzt das Land Schleswig-Holstein den "Best-In-Class-Ansatz" ein, der gezielt diejenigen Emittenten bevorzugt auswählt oder höher gewichtet, die unter ökologischen, sozialen- oder ethischen Aspekten führend sind. Außerdem verfolgt das Land im Bereich der Nachhaltigkeit den sogenannten „Engagement“-Ansatz und nutzt seine erworbenen Stimmrechte, um die Unternehmen, an denen es beteiligt ist, hin zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren10. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz hat das Land Schleswig-Holstein bundesweit eine Vorreiterrolle eingenommen. Natürlich gibt es auch hier einige Lücken, so fallen Anlagen unter einer Million Euro noch nicht unter die ESG-Kriterien und das Land stellt Kommunen keine Empfehlungen oder Hilfestellungen bezüglich ihrer Investitionen bereit.

Und was tragen wir dazu bei?

Im Rahmen unseres Projekts möchten wir das Bewusstsein für nachhaltige Geldanlagen in Schleswig-Holstein stärken und Handlungsoptionen vermitteln. Im Kontext dessen bieten wir verschiedene Bildungsveranstaltungen an, um Wissen zu teilen und die Idee einer zukunftsfähigen Finanzwelt weiter zu erörtern (o.ä.). Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist eine Messe für Nachhaltige Geldanlagen, die es den Besucher*innen ermöglicht, sich über nachhaltige Finanzprodukte zu informieren und von praxis-orientierten Experteninputs zu lernen. Diese wird am 17.5 in Lübeck stattfinden. Mehr Informationen unter www.zukunftskapital-sh.de

Poster Zukunftskapital 17.5

Es ist an der Zeit, dass private und institutionelle Anleger*innen Verantwortung übernehmen und aktiv zum sozio-ökologischen Wandel der Wirtschaft beitragen. Nur wenn wir Finanzströme nachhaltig ausrichten, können wir die globalen Herausforderungen meistern und gleichzeitig eine gerechte Zukunft für kommende Generationen sichern.

Mehr Informationen zum Projekt „Nachhaltige Geldanlagen in Schleswig-Holstein“ und den geplanten Veranstaltungen finden Sie unter: https://www.bei-sh.org/nachhaltige-finanzen und https://www.bei-sh.org/veranstaltungen.

 

Quellen & Literatur

Forbes (2020). Demystifying ESG: Its History & Current Status. Online unter: https://www.forbes.com/sites/betsyatkins/2020/06/08/demystifying-esgits-history--current-status/

2 Morningstar (2025). Globale ESG-Fondszuflüsse steigen in Q4. Online unter: https://www.morningstar.de/de/news/260135/globale-esg-fondszufl%C3%BCsse-steigen-in-q4.aspx

3 Wirtschaftsprüfkammer (o.D.). EU Taxonomie-Verordnung. Online unter: https://www.wpk.de/nachhaltigkeit/kompass/regulatorische-anforderungen/eu-taxonomie-verordnung/

4 Investrends (2024). Nachhaltige Investitionen in Schwellenländer. Online unter: https://investrends.ch/aktuell/investments/nachhaltige-investitionen-in-schwellenlander/

5 UN (o.D.). Financing for Development. Online unter: https://www.un.org/sustainabledevelopment/financing-for-development/

6 IISD (o.D.). Financing for Development – FfD. Online unter: https://enb.iisd.org/negotiations/financing-development-ffd

7 Klimareporter (2024). Nachhaltigkeit fällt in globale Finanzlücke. Online unter: https://www.klimareporter.de/finanzen-wirtschaft/nachhaltigkeit-faellt-in-globale-finanzluecke

8 Erlassjahr (o.D.). Informieren. Online unter: https://erlassjahr.de/informieren/

9 UN (o.D.). The 4th International Conference on Financing for Development. Online unter: https://financing.desa.un.org/ffd4

10 Schleswig-Holstein (2022). FINISH - Nachhaltige Finanzanlagen. Online unter: https://www.schleswig-holstein.de/DE/fachinhalte/V/versorgungsfonds/Nachhaltigkeitskriterien/nachhaltigkeitskriterien_finish

 

 

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